Matthias, Name geändert) 50 Jahre, Erektile Dysfunktion, Erektionsstörung

13 Okt

6.10.2020

Ein Beispiel aus einer laufenden Therapie. Veröffentlichung nach Rücksprache mit dem Patienten und Dokumentation.

Ein Patient, nennen wir ihn Matthias (Name geändert), kommt wegen Erektionsstörungen. Er ist 50, geschieden, Sexualität hat er meist unter Druck erlebt, während seiner Ehe musste er aufpassen, dass seine Frau nicht schwanger wird, doch hatte er bisher keine Erektionsstörungen.

Seit einem halben Jahr ist er mit einer Frau zusammen, die starke sexuelle Bedürfnisse hat, was ihn erneut sexuell unter Druck setzt, dieses Mal reagiert er mit Erektionsstörungen.

Ich arbeite tiefenpsychologisch und nutze in den ersten fünf Sitzungen die Symbole des Katathymen Bilderlebens, um einen Zugang zum Unbewussten zu bekommen. Die Idee dahinter ist, sobald sich das Unbewusste zeigt findet ein Prozess statt, der zur Heilung führen kann.

Hier ein Beispiel aus der dritten Stunde: Ich gebe als Symbol den Berg vor. Matthias kann sehr gut innere Bilder entstehen lassen. Es zeigt sich ein prächtiges Weizenfeld, es ist Nachmittag, schönes Wetter, die Szene wirkt gut.

Ich arbeite wie die Analytiker mit der freien Assoziation und bin gespannt, was ihm zu seinem Bild einfällt. Für ihn ist der Höhepunkt des Lebens überschritten, es taucht nun ein Mähdrescher auf mit scharfen Klingen, der anfängt, die Stängel abzuschneiden, ich fordere ihn auf, sich vorzustellen er sei der Mähdrescher, ich nenne es die Perspektive wechseln, zu  switchen, der Mähdrescher stoppt und fährt rückwärts davon, doch hat er schon eine Schneise in das Feld geschlagen, es ist nur noch blanke Erde zu sehen. Matthias stellt sich vor er sei das Feld und die blanke Erde fängt an grün zu werden, es taucht roter Mohn auf und Matthias sieht sich und seine Partnerin darin liegen und bekommt ein zuversichtliches Gefühl.

Hier sieht man wie wichtig es ist, dass der Therapeut seine Assoziationen für sich behält, mir war zu dem Weizenfeld eingefallen, die Früchte des Lebens ernten, aber es geht hier nicht um mein Unbewusstes, sondern um das des Patienten, um Matthias.

Interessant wie das Bild aufgebaut ist, das Weizenfeld trägt reife Frucht, natürlicherweise würden nun die Körner zu Boden fallen, bevor die Halme umfallen, doch im Bild werden die Stängel abgeschnitten, bevor die Körner zu Boden fallen können – das passt zum vorzeitigen Erschlaffen des Glieds. Das Erschlaffen wird als fremdgesteuert erlebt (bildlich durch den Mähdrescher). Der Mohn steht für den Liebesrausch, ganz entfernt könnte man auch noch an den Pilz Mutterkorn denken, der Getreide befällt und aus dem das Rauschmittel LSD synthetisiert wurde.

Wichtig ist immer wieder die Perspektive zu wechseln und sich ganz ehrlich mit den Bildern auseinanderzusetzen, denn dadurch kommt der Heilungsprozess in Gang. Das Geheimnis der Hypnose ist absolute Ehrlichkeit, die freie Assoziation dient quasi dazu, den eigenen Filter aufzudecken. Indem der Patient sich seinen Bildern stellt verändern sie sich und werden ins Bewusstsein gehoben und können so bearbeitet werden.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht.